Apotheker ohne Grenzen beginnen zweite Projektphase
Good Pharmacy Practice Schulungen in Kenia

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Stefanie Pügge (AoG) beim Projektbesuch in Kenia

Die erste Kooperation zwischen Apotheker ohne Grenzen (AoG) und Amref Health Africa fand anlässlich der  Dürrekatastrophe 2011 in Ostafrika statt. AoG unterstütze die Aktivitäten von Amref Health Africa durch die Bereitstellung von medizinischem Equipment und Medikamenten.

Inzwischen geht es nicht mehr um Nothilfe, sondern um eine nachhaltige Verbesserung der Arzneimittelversorgung ländlicher Regionen Kenias und Tansanias. Dies soll, neben der Entwicklung und Einführung einer Software zur Lagerverwaltung der Medikamente, durch Schulungen von pharmazeutischen Mitarbeitern in Good Pharmacy Practice erreicht werden. Stefanie Pügge (Apotheker ohne Grenzen) sprach mit Marion Mutundu aus Malindi und Mohamed Kenso aus Lamu, über ihre Arbeit und Erwartungen an die Schulung.

Welche Ausbildung haben Sie und welche Aufgaben haben Sie in ihrem jeweiligen Krankenhaus?

Mohamed Kenso: Ich bin Pharmacy Technologist und habe ein Diplom in Pharmazie, was in Kenia eine dreijährige Ausbildung bedeutet. Zu meinen Aufgaben gehören die Arzneimittelabgabe, Lagerhaltung, Dokumentation, monatliche Bestandskontrollen, Bestellungen und Beratung zu den Arzneimitteln.

Marion Mutundu: Ich bin Apothekerin und habe in Nairobi Pharmazie studiert. Zu meinen Aufgaben in Malindi gehören das Auslösen von Bestellungen inklusive der Bestellmengenanalyse, richtige Lagerhaltung, Vermeidung des Verfalls von Arzneimitteln, Abgabe der Arznei- und Hilfsmittel an die verschiedenen Stationen eines Krankenhauses, die Abgabe an Patienten und das Anleiten der anderen Mitarbeiter in Sachen Lagerhaltung.

Was erwarten Sie von der Schulung und was möchten Sie bei sich im Krankenhaus verbessern?

Kenso: Ich erwarte mir vom Training mehr über eine gute Lagerhaltung zu lernen. Außerdem möchte ich besser über die notwendige Dokumentation in der Apotheke Bescheid wissen und wie man moderne Hilfsmittel wie die angebotene Software hierfür nutzen kann. Dadurch erhoffe ich mir, bei uns in Lamu Arzneimittelmüll durch falsche Lagerung und Bestellungen vermeiden zu können und für eine angemessene Bevorratung zu sorgen.

Mutundu: Auch der Austausch mit Teilnehmern aus anderen Krankenhäusern ist für mich sehr interessant.

Welche Erkrankungen und  welche Arzneimittel sind bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?

Mutundu: Die häufigsten Krankheiten bei uns sind HIV, Diabetes und Bluthochdruck, bakterielle Infektionen der Atemwege, des Magen-Darm-Bereichs und der Harnwege, Malaria und auch psychiatrische Krankheitsbilder.

An Medikamenten spielen antiretrovirale Mittel sowie Antibiotika eine wichtige Rolle, Malariamittel, Blutdruckmittel, Antidiabetika, Antipsychotika und auch Kontrazeptiva, Anästhetika und Tuberkulosemittel.

Kenso: Am häufigsten haben wir mit Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes zu tun, ansonsten auch Atemwegserkrankungen, HIV, Diabetes sowie Bluthochdruck. Die wichtigsten Medikamente sind die für diese Krankheiten notwendigen Therapien, also z.B. Antibiotika, Elektrolyte, antiretrovirale Arzneimittel, Antidiabetika und Antihypertensiva.

Interview: Stefanie Pügge, AoG