Bericht: Dr. Bischofberger über die Arbeit im Südsudan
Erfolgsgeschichte aus dem Land, das gerade um seinen Frieden bangt

Bischofberger_Team

Die aktuelle Krise im Südsudan bringt die ohnehin kaum gefestigte Stabilität der jungen Nation ins Wanken. Die Bevölkerung leidet darunter am meisten. Amref unterstützt den Südsudan seit mehr als 20 Jahren bei dem Aufbau eines Gesundheitssystems. 70 % aller Gesundheitshelfer im Land wurden durch Amref ausgebildet. Und auch in Zeiten der Krise, gibt es kleine Erfolgsgeschichten der Amref-Projekte zu vermelden.

Der Südsudan befindet sich derzeit im Ausnahmezustand. Mehr als 1,5 Million Menschen sind auf der Flucht vor dem blutigen Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar. Der Ort Maridi, wo die AmrefTraining School steht, befindet sich im Südwesten des Südsudans und ist von den Kämpfen bis dato nicht unmittelbar betroffen.

Während die Unruhen im Land weitergehen und alle Augen auf Addis Abeba (Äthiopien) gerichtet sind, wo der politische Machtkampf am Verhandlungstisch ausgetragen werden soll, ist man in Maridi darum bemüht, den Ausbildungsalltag aufrechtzuerhalten. Die medizinische Versorgung im Krankenhaus von Maridi ist derzeit gesichert.

Wenn es um Macht geht, geht es immer auch um Menschen

Schon während des jahrzehntelangen Bürgerkrieges war Amref Health Africa als eine der ganz wenigen NGOs im Land und hat deshalb bei der lokalen Bevölkerung einen besonders großen Rückhalt. Auch die aktuelle Krise, deren weitere Entwicklung derzeit schwer einzuschätzen ist, wird unser Engagement für dieses Land nicht schmälern. Denn es geht um Menschen. Menschen, die voller Hoffnung sind, durch eine Ausbildung zur Hebamme oder Krankenschwester etwas zum Aufbau der eigenen Nation und zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung beisteuern zu können. Dank der finanziellen Unterstützung durch Sternstunden e.V. werden derzeit 36 Hebammen in Maridi ausgebildet. Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine neue Entbindungsstation gebaut und medizintechnisch ausgestattet. Ermöglicht wurde dies durch Spendengelder aus Deutschland von „Ein Herz für Kinder“. Die Station bietet nicht nur die Möglichkeit sicherer, betreuter Geburten, sondern auch die Möglichkeit für HebammenschülerInnen, praktisch zu lernen. Die Wasserversorgung der Entbindungsstation und des OPs wurde durch die Andreas Haberger Stiftung ermöglicht.

4_Hand-over_MaternityWard_Maridi_okt2013Die Eröffnung der Entbindungsstation im Oktober 2013 war deshalb für die Region von großer Bedeutung. So war es wichtig die Inbetriebnahme professionell zu begleiten. In Maridi gibt es derzeit vier südsudanesische Ärzte: Zwei Anästhesisten und zwei Ärzte für die gesamte Klinik, einschließlich der Notfallambulanz. Ausgebildete Fachärzte gibt es nicht. Deshalb war es besonders wichtig anlässlich der Eröffnung der Entbindungsstation mit allen Ärzten, Krankenschwestern und den Hebammen gemeinsam ein funktionierendes geburtshilfliches Team zu bilden. Denn das Vertrauen der Patientinnen ist ein wichtiger Garant dafür, dass auch in Zukunft Frauen für Geburtsvorsorge und Entbindung in das Krankenhaus kommen.

Frauen sichere Geburten ermöglichen – Eine Erfolgsgeschichte aus dem Krisenland

Im Oktober 2013 war es endlich soweit: Die neue Entbindungsstation in Maridi wurde offiziell eröffnet. Um das lokale Personal in der Nutzung der Geräte zu schulen und Fachwissen an die lokalen Kollegen zu vermitteln, hat der deutsche Arzt Dr. Kurt Bischofberger gemeinsam mit Amref Health Africa die ersten 4 Wochen auf der neuen Entbindungsstation begleitet. Wissensvermittlung und Training der Mitarbeiter waren zentrale Aufgaben von Dr. Bischofberger, aber auch im Klinikalltag hat er dem lokalen Personal unter die Arme gegriffen.

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Dr. Bischofberger im Gespräch mit Klinikpersonal und werdenden Müttern.

Dr. Bischofberger kennt den Ort gut, da er vor 30 Jahren bereits einmal für drei Jahre dort gearbeitet hat. Seine Kenntnis der Gegebenheiten und seine langjährige Erfahrung als Gynäkologe, qualifizierten ihn in besonderer Weise für diese herausfordernde Aufgabe: Denn im Südsudan herrscht die weltweit höchste Mütter- und Säuglingssterblichkeit. Jede 15. Mutter stirbt bei der Geburt, jedes fünfte Kind erreicht nicht das fünfte Lebensjahr. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg hat die medizinische Infrastruktur des Landes zerstört und qualifiziertes Personal hat das Land verlassen. Nur 25 Prozent der Bevölkerung haben überhaupt Zugang zu medizinischer Versorgung, vorgeburtliche Versorgung gibt es kaum.