Hebammenausbildung im Südsudan

Mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg haben den Südsudan schwer gezeichnet. Seit seiner Unabhängigkeit in 2011, versucht der jüngste Staat der Welt stabile Strukturen aufzubauen. Dies ist jedoch aufgrund der zerstörten Wirtschaft, Infrastruktur und Gesundheitsversorgung nur schwer möglich – insbesondere seit im Dezember 2013 erneut Unruhen im Südsudan ausgebrochen sind. Qualifiziertes Personal hat das Land aufgrund des Arbeitsplatzmangels verlassen. 98% der Bevölkerung leben in ländlichen Regionen, in denen die Versorgungslage besonders schlimm ist. Nur 25% der Südsudanesen haben überhaupt Zugang zu medizinischer Versorgung. Diese wird wiederum nicht immer von medizinisch ausgebildetem Personal geleistet.

Seit 1998 betreibt Amref das National Health Training Institut in Maridi, Südsudan. Dort werden Gesundheitshelfer (Clinical Officers) und seit einigen Jahren auch Hebammen ausgebildet, die aufgrund der weltweit höchsten Müttersterblichkeit im Südsudan dringend gebraucht werden. Es gibt kaum vorgeburtliche Betreuung und nur 5% aller Geburten finden in Anwesenheit von ausgebildeten Fachkräften statt. Derzeit überlebt im Südsudan jede 15. Mutter die Geburt ihres Babys nicht, und eines von 5 Kindern stirbt noch vor seinem 5. Geburtstag. Viele Frauen bringen ihre Kinder zu Hause zur Welt, ohne die Hilfe und Betreuung von medizinisch ausgebildeten Hebammen. P1010088_web

Dank finanzieller Unterstützung des Sternstunden e.V. und der Andreas Haberger Stiftung bildet Amref Health Africa derzeit 38 Hebammen in Maridi aus. Der Bau einer neuen Entbindungsstation sowie die Bereitstellung der medizinisch-technischen Ausstattung in Maridi mit Spendengeldern von Bild hilft e.V. – „Ein Herz für Kinder“ ermöglicht in Zukunft, dass auch alle praktischen Übungen der Hebammenausbildung direkt in Maridi durchgeführt werden können. Denn das Maridi National Health Training Institute, in dem medizinische Fachkräfte ausgebildet werden, liegt nahe dem Krankenhaus von Maridi. Durch die Ansiedlung der Hebammenausbildung am Standort National Health Training Institut konnte die Ausbildung der Hebammen in die bereits existierenden Curricula der Clinical Officers integriert werden. Bereits bestehende Lehrräume können von allen Auszubildenden gemeinsam genutzt werden und mussten so nicht neu gebaut werden.

Die Möglichkeit des praktischen Lernens unter Anleitung erfahrener Kräfte ist insbesondere für die Ausbildung von Hebammen von zentraler Bedeutung: Um eine Hebammenausbildung erfolgreich abzuschließen, muss eine Auszubildende mindestens 25 Geburten begleitet bzw. durchgeführt haben. Nach Abschluss ihrer Ausbildung tragen die Hebammen ihr Wissen in ihre Heimatdörfer und sorgen so dafür, dass die medizinische Kompetenz im Land nicht nur auf Maridi beschränkt bleibt.