Persönliche Geschichten
Cynthias Geschichte

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Bildquelle: AMREF UK

Cynthia Musyoki ist 27 Jahre alt und Mutter von drei Kindern: Mercy (12 J.), Lee (9 J.) und Baby Alice (5 Monate). Nun hat Cynthia endlich die Familie, von der sie so lange geträumt hat. Doch ihr Weg bis zu diesem Ziel war sehr hart.

Cynthias Schwangerschaften und Geburten waren schwierig – vor allem aufgrund ihrer Angst vor den Folgen eines Kaiserschnitts und ihrer Überzeugung, dass sie auf jeden Fall per Kaiserschnitt gebären müsse, wenn sie ins Krankenhaus ginge. Diese Angst hält viele werdende Mütter in Cynthias Heimatort davon ab, lebenswichtige Maßnahmen der prä- und postnatalen Pflege sowie eine kompetente Geburtsbegleitung in einem Krankenhaus in Anspruch zu nehmen.

Cynthia heiratete 1997 im Alter von 13 Jahren. Im Jahr darauf stellte sie fest, dass sie ihr erstes Kind erwartete. Da sie sich wegen ihres jungen Alters schämte und nicht wusste, wen sie um Unterstützung bitten sollte, suchte Cynthia vor der Geburt keine Klinik auf. Ihre Schwiegermutter arrangierte stattdessen eine Hausgeburt, begleitet von einer älteren Frau aus der Gemeinde, einer traditionellen Geburtshelferin ohne professionelle Ausbildung.
„Nachdem ich in Gegenwart meiner Schwiegermutter und der Geburtshelferin zwei Tage lang Wehen gehabt hatte, waren sie der Meinung, dass das Baby nicht kommen würde, und brachten mich ins Krankenhaus. Gleich nach der Ankunft untersuchte mich ein Arzt und stellte voller Bedauern fest, dass das Baby in mir vor Erschöpfung gestorben war. Ich war am Boden zerstört“, berichtet Cynthia traurig.

Sicherheit für Mutter und Kind

Im Frühjahr 1999 war Cynthia abermals schwanger. „Ich war zu unerfahren, um meinem Körper durch Familienplanung die Zeit zu geben, sich von der ersten Geburt zu erholen“, erinnert sich Cynthia. Als die Wehen diesmal einsetzten, war ihr Mann zu Hause und brachte sie ins Krankenhaus, wo sie ein kleines Mädchen zur Welt brachte und ihr den Namen Mercy, „Gnade“, gab.

Dennoch bestätigte Cynthias Kaiserschnitt die Frauen in ihrem Heimatort in ihrer falschen Annahme: Wenn eine Frau ihr Kind im Krankenhaus zur Welt bringt, bekommt sie auf jeden Fall einen Kaiserschnitt.

Drei Jahre später erwartete Cynthia ein weiteres Kind. Nun, da sie die Vorteile einer professionell begleiteten Geburt kannte, hatte sie keine Angst mehr davor, ins Krankenhaus zu gehen, um ihr Baby zu bekommen. Allerdings zogen sich ihre Wehen wieder sehr lange hin und der Arzt riet ihr zu einem Kaiserschnitt, um ihrem Baby das Leben zu retten. Auf diese Weise brachte Cynthia einen gesunden Jungen zur Welt: Lee.
Dennoch bestätigte Cynthias Kaiserschnitt die Frauen in ihrem Heimatort in ihrer falschen Annahme: Wenn eine Frau ihr Kind im Krankenhaus zur Welt bringt, bekommt sie auf jeden Fall einen Kaiserschnitt. Aus diesem Grund weigerte sich Cynthia bei ihren folgenden zwei Schwangerschaften hartnäckig, zur Geburt in eine Klinik zu gehen. Stattdessen entschied sie sich für Geburten zu Hause mithilfe einer traditionellen Geburtshelferin. Cynthia hat beide Babys verloren.

Im Jahr 2005 begann in Cynthias Heimatort eine Frau namens Ruth die Ausbildung zur AMREF-Gemeinde-Gesundheitshelferin. Ruth glaubte zuvor wie alle anderen Frauen die Vorurteile rund um sichere Geburten in Kliniken. Doch durch ihre Ausbildung verstand Ruth, wie wichtig professionelle medizinische Versorgung für Mutter und Kind ist. Sie war fest entschlossen, alles zu tun, um Frauen in ihrem Heimatort im Bedarfsfall davon zu überzeugen, medizinische Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Durch Information Vertrauen schenken

Während eines Routinebesuchs bei Cynthia stellte Ruth einige Jahre später fest, dass Cynthia wieder schwanger war. Ruth hatte wie alle anderen Nachbarn jedes Mal Verständnis gezeigt und mitgelitten, wenn die Musyokis wieder ein Kind während der Geburt verloren hatten.

„Doch dieses Mal schwor ich mir, sie davon zu überzeugen, ihr Baby im Krankenhaus zu bekommen. Seit 2005 betreiben wir hier Gesundheitserziehung und betonen die Vorteile sicherer Mutterschaft, und jedes Jahr bringen mehr Frauen ihre Kinder im Krankenhaus zur Welt. Ich beschloss, dass ich dieses Mal nicht wieder zum Haus der Musyokis gehen würde, um ihnen mein Mitgefühl auszusprechen, sondern um ihnen zur Geburt des neuen Babys zu gratulieren.“

Ruth wusste, dass Cynthia zwei Kinder hintereinander aus Angst vor einem Kaiserschnitt verloren hatte, und entschied sich deshalb, sie jeden zweiten Tag zu besuchen, um zu sehen, wie die Schwangerschaft sich entwickelte – und um Cynthia bei jedem Besuch mehr und mehr davon zu überzeugen, die Geburt ihres Baby im Krankenhaus zu planen. Ruth erklärte Cynthia, dass nur dann ein Kaiserschnitt vorgenommen wird, wenn die Mutter das Kind nicht auf natürlichem Wege bekommen kann; dass dieser Eingriff also keine Form der Bestrafung ist, sondern ein Mittel, um Baby und Mutter zu retten.
„Ich wartete schon so lange darauf, ein drittes Kind gesund zur Welt zu bringen, und zwei Versuche hatten zu Totgeburten geführt. Im achten Monat konnte ich schließlich mit Ruths Unterstützung meine Ängste überwinden und nahm mir vor, mein Baby im Krankenhaus zur Welt zu bringen, ganz egal, auf welche Weise“, erzählt Cynthia.

Frauen helfen Frauen

Inzwischen ist die kleine Alice 5 Monate alt und Cynthia erholt sich gut. „Wenn ich zurückblicke, gebe ich mir die Schuld am Verlust meiner drei Babys. Es hilft aber niemandem, wenn ich mich schuldig fühle. Stattdessen habe ich mir vorgenommen, Frauen von den Vorteilen einer Geburt im Krankenhaus zu überzeugen. Wenn ich mich wieder vollständig erholt habe, werde ich die Gemeinde-Gesundheitshelfer dabei unterstützen, Frauen Wissen zu sicherer Mutterschaft zu vermitteln“, erklärt Cynthia.
Cynthia ist voll des Lobes für die von Amref Health Africa ausgebildeten Gemeinde-Gesundheitshelfer und der von ihnen vermittelten Gesundheitserziehung vor Ort. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, Vorurteile und Praktiken, die sich negativ auf die Gesundheit ihrer Mitmenschen auswirken, abzubauen.

„Dank der Gemeinde-Gesundheitshelfer verstehen die Menschen, wie wichtig es ist, Latrinen zu benutzen, Trinkwasser aufzubereiten, Leistungen professioneller Gesundheitseinrichtungen in Anspruch zu nehmen, ihre Kinder in Kliniken zur Welt zu bringen und sie vor allem gegen Krankheiten impfen zu lassen. Ich bin Ruth sehr dankbar, da ich ohne ihren Rat wahrscheinlich einen weiteren Verlust hätte beklagen müssen.“
Quelle Amref UK