Nothilfe Südsudan
Bundesregierung unterstützt Amref Health Africa mit 2,5 Millionen Euro

COC06 1109 AMREF Kitgum Immunization05_kleinKrankheit, Hunger und ein Leben in überfüllten Flüchtlingslagern – das ist die alltägliche Realität von 1,7 Millionen Menschen, die vor den blutigen Auseinandersetzungen im Südsudan fliehen mussten. Amref Health Africa ermöglicht jetzt, dank der Unterstützung durch die Bundesregierung, medizinische Versorgung für mehr als eine Million Menschen.

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Der Südsudan, das jüngste Land der Welt, kommt nicht zur Ruhe. Und seine Menschen leiden. Der blutige Machtkampf zwischen dem amtierenden Präsidenten Salva Kiir und seinem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar zwang bereits 1,8 Millionen Menschen zur Flucht, darunter hunderttausende Kinder.

Bei der Ankunft in den Flüchtlingslagern sind insbesondere Frauen und Kinder von den Strapazen der Flucht geschwächt und oft unterernährt. Sie brauchen dringend medizinische Behandlung, die aber in Anbetracht eines extremen Mangels an Gesundheitspersonal und Ausstattung zu oft nicht geleistet werden kann. Die Nothilfe von Amref Health Africa ermöglicht medizinische Versorgung und rettet das Leben der Menschen, die sonst alles verloren haben. Die deutsche Bundesregierung unterstützt diese Maßnahmen mit insgesamt 2,5 Millionen Euro. Damit kann in den nächsten Monaten mehr als einer Million Menschen geholfen werden.

Situation menschenunwürdig
In Juba, der Hauptstadt des Südsudans, ist im Mai 2014 die Infektionskrankheit Cholera ausgebrochen und hat sich seither in weitere Regionen ausgebreitet. Durch die Regenzeit wird die Situation weiter verschlimmert, da sich vielerorts verunreinigter kniehoher Schlamm bildet. Eine Hungersnot wird für September vorausgesagt, weil die Menschen sich in Flüchtlingslager retten mussten, statt ihre Felder zu bestellen. Die Flüchtlingslager und aufnehmenden Gemeinden sind mit dem Zustrom an Menschen überfordert. Insbesondere die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Zu den vielen Schwierigkeiten, mit denen die Menschen zu kämpfen haben, kommt die Traumatisierung durch das Erlebte.

Dr. Marcus Leonhardt, Direktor von Amref Health Africa in Deutschland betont:

Die besondere Schwere der Krise im Südsudan hat es unerlässlich gemacht, dass wir als lokaler Partner und Mitglied der Nothilfe-Koordinationsgruppe für den Südsudan umgehend helfen. In den nächsten Monaten ist ein weiterer Anstieg vermeidbarer Krankheiten in den Flüchtlingslagern zu erwarten. Schlechte Hygienebedingungen und Mangelernährung schwächen das Immunsystem der traumatisierten Bewohner. Wir wirken dem jetzt zielgerichtet entgegen.

Durch insgesamt fünf Projekte, die durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert werden, wird Amref Health Africa dringend benötigte Hilfe in den Südsudan und die Flüchtlingslager in Kenia, Uganda und Äthiopien bringen. Gemeinsam mit den lokalen Akteuren wurde analysiert, wo Hilfe am dringendsten nötig ist. Mit Behandlungen und Operationen werden Leben gerettet. Zusätzlich wird Notnahrung verteilt und posttraumatische Behandlung angeboten.

Medizinische Grundversorgung und lokale Bedürfnisse
Nothilfe_SS_Participant taking MUAC of malnourished child in children's' ward in Juba Teaching hospitalAmref Health Africa wird mehr als 10.000 zusätzliche Behandlungen und Operationen in lokalen Krankenhäusern durchführen, die den Flüchtlingen und der ansässigen Bevölkerung zugutekommen. Je nach Bedarf kommen hierfür Spezialisten aus Nairobi in die bedürftigsten Regionen, die auch das lokale Personal weiterbilden und Equipment für die stark unterversorgten Krankenhäuser mitbringen. Hinzu kommen Maßnahmen, die sich an den lokalen Bedürfnissen orientieren. So werden beispielsweise die hygienischen Bedingungen in den Flüchtlingslagern in Adjumani (Uganda) verbessert.

In die Flüchtlingslager der Region Gambella (Äthiopien) flüchten die meisten Menschen aus dem Südsudan. Derzeit halten sich hier etwa 246.000 Flüchtlinge auf, davon zweidrittel Frauen und Kinder. Deshalb ist es besonders wichtig, die lokale medizinische Infrastruktur zu stärken, um Patienten die Behandlung zu ermöglichen, die sie brauchen. So wird unter anderem ein Krankenwagen angeschafft, um den Patiententransport zu erleichtern. Im Südsudan selbst hat neben medizinischer Versorgung vor allem die Unterstützung im Kampf gegen die hochinfektiöse Cholera Priorität. Mittlerweile sind knapp 6.000 Fälle registriert. Die Blutproben der Patienten müssen jedoch größtenteils in Laboren außerhalb des Landes untersucht werden, da die Kompetenzen im Südsudan (noch) nicht vorhanden sind. Das südsudanesische Gesundheitsministerium hat Amref Health Africa deshalb gebeten, zusätzlich dringend benötigte Schulungen für Laborpersonal in Juba durchzuführen und die Laborarbeit im National Reference Laborator (NRL) zu unterstützen.

Mit der Unterstützung durch die Bundesregierung leistet Amref Health Africa nicht nur akute Nothilfe, sondern stärkt auch die lokalen Strukturen. Denn Wissen, Brunnen und Latrinen bleiben für die lokale Bevölkerung erhalten – auch wenn die Krise im Südsudan irgendwann überstanden ist. Hoffnung macht der Beschluss der rivalisierenden Parteien, in Angesicht der drohenden Hungerkatastrophe die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen.

Hintergrund: Amref Health Africa im Südsudan
Amref Health Africa ist seit mehr als 20 Jahren im Südsudan aktiv und ein verlässlicher Partner in der Region. Schon während des jahrzehntelangen Bürgerkrieges war die Organisation als eine der ganz wenigen NGOs im Land und hat deshalb bei der lokalen Bevölkerung einen besonders großen Rückhalt.

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