Weibliche Genitalverstümmelung (FGM)

0G1B9369_kleinWeibliche Genitalverstümmelung wird vor allem in Ländern Afrikas und des Mittleren Ostens praktiziert. Sie gilt als wichtiger Übergangsritus auf dem Weg eines Mädchens zur Frau und ist nicht an eine bestimmte Religion gebunden. Mädchen, die das Ritual durchlaufen, sind oftmals gerade erst in die Pubertät eingetreten und kaum älter als 15 oder 16 Jahre, andere durchleben den Ritus bereits im Säuglings- oder Kindesalter.

Die Praxis der weiblichen Beschneidung umfasst grundsätzlich den Prozess der Entfernung von Teilen des weiblichen Genitalbereichs. Man unterscheidet aber unterschiedliche Formen der Genitalverstümmelung, die von der Entfernung der Klitoris bis hin zur gefährlichsten Form, der sogenannten Infibulation reichen, bei der der gesamte äußerliche Genitalbereich entfernt und die Wunde bis auf eine kleine Öffnung vernäht wird. In Afrika wird die Beschneidung in der Regel mit ungeeigneten Werkzeugen wie Messern oder Glasscherben und unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt. 25% der Mädchen und Frauen verbluten noch während der Beschneidung oder sterben später auf Grund einer Folgeerkrankung wie beispielsweise einem Wundstarrkrampf. Überlebende dieser Praxis haben ihr Leben lang mit psychischen und physischen Folgen zu kämpfen, sei es bei Geburten oder dem Sexualverkehr. Auch eine einfache Montagsblutung kann für die Frauen zu einem ungemein qualvollen Ereignis werden.

Während die Beschneidung von Mädchen in den meisten Ländern Afrikas verboten ist und international als Verletzung der Menschenreche angesehen wird, gibt es in Liberia, Somalia, Sierra Leone und dem Sudan keine expliziten Gesetzte gegen FGM.

In Tansania und Kenia, wo Amref Health Africa mit Massai-Gemeinden gegen FGM kämpft, ist die Beschneidung zwar offiziell verboten, dies hat bisher aber nicht zu einer Abkehr von der Beschneidungspraktik geführt. Beschneidungen werden nun vielmehr heimlich und oftmals unter furchtbaren Bedingungen durchgeführt.

Bei dem Versuch der kulturellen Bedeutung dieser Praktik gerecht zu werden, schlagen Mediziner weltweit immer wieder vor, bestimmte Formen der Beschneidung, die durch Ärzte und unter Narkose durchgeführt werden, zu erlauben. Wir lehnen diese Argumentation strikt ab. Für uns ist klar: Weibliche Genitalverstümmelung muss nicht toleriert werden, um kulturelle Praktiken zu respektieren. Für weibliche Beschneidung besteht weder eine hygienische, noch eine medizinische Notwendigkeit und so ist jegliche Form eine tiefgreifende Verletzung der Würde der Frauen, die mit lebenslangen körperlichen und seelischen Schmerzen einhergeht. Das Umfeld und die Beschneidungspraktik so zu verändern, dass eine “harmlose“ Beschneidung fachmännisch und unter Narkose durchgeführt werden kann, würde zudem schlicht nicht anerkannt werden. Das Mädchen wäre vor einer nachträglichen “richtigen” Beschneidung durch eine traditionelle Beschneiderin nicht sicher (mehr zu diesem Thema).

Um die Mädchen vor der weiblichen Genitalverstümmelung zu schützen, braucht es einen intensiven Dialog und Aufklärungsarbeit mit Schlüsselakteuren, wie den Mädchen selbst, den Müttern, den Ältesten, den jungen Männern und den Beschneiderinnen. So treffen die Menschen schlussendlich selbst die Entscheidung, dass weibliche Beschneidung nicht länger praktiziert werden soll.

Nur dieser ganzheitliche Ansatz ist wirklich nachhaltig.

>> Fakten zum Thema FGM bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO)