Fluchtursachen angehen, statt Symptome zu bekämpfen.

Kakuma CampWenn Menschen auf schwierigsten Wegen und mit unsicheren Transportmitteln nach Europa kommen, dann tun sie das nicht, weil sie Lust auf ein Abenteuer haben. Krieg, Hunger und Perspektivenlosigkeit treiben sie auf eine waghalsige, gefährliche Reise  – auch in Richtung Europa. Amref Health Africa kann keine Kriege verhindern, leider. Aber wir können Perspektiven schaffen und so Fluchtursachen bekämpfen.

Bleiberecht, Abschiebung, Aufnahmequoten. Deutschland und Europa kennen derzeit kaum ein anderes Thema. Die seit Jahren weltweit wachsenden Flüchtlingszahlen scheinen endgültig auch in unserem Alltag angekommen. Dabei geht es um viel mehr als die Erstaufnahme. Menschen, die dauerhaft nach Europa kommen, weil z.B. kriegerische Auseinandersetzungen im Heimatland eine Rückkehr vorerst unmöglich machen, müssen angemessen ins Sozialsystem und den Arbeitsmarkt integriert werden. In den letzten Monaten hat Deutschland hunderttausende Hilfesuchende aufgenommen und diskutiert nun wie es weitergehen soll. Dabei sollte die Frage nach den Fluchtursachen noch mehr in den Fokus rücken.

Wir wollen aber zunächst einen Schritt zurückgehen und einen Blick auf das große Ganze werfen. Klar ist für viele: Die größte Flüchtlingskrise findet derzeit in Europa statt. Aber stimmt das eigentlich? Und ist das Ende abzusehen? Fakt ist: nirgends sind so viele Menschen auf der Flucht wie innerhalb Afrikas. Kakuma CampKrisen in Ländern südlich der Sahara haben laut UNHCR 15 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Sie fliehen innerhalb des eigenen Landes in weniger umkämpfte Regionen oder die afrikanischen Nachbarstaaten gewähren ihnen großzügig Schutz. Auch weltweit betrachtet leben 86 Prozent aller Flüchtlinge  in wenig entwickelten Ländern, die oft kaum ihre eigene Bevölkerung versorgen können. Aber mit weltweit stark steigenden Flüchtlingszahlen, kommen auch diese Länder an ihre Grenzen. Deshalb ist es besonders wichtig, vor Ort die Strukturen zu stärken, so dass Menschen nicht unter Lebensgefahr weiter in Richtung Europa fliehen müssen.

 Wie wird sich der Flüchtlingsstrom weiter entwickeln? Und ist auch ein Ende absehbar?

Entscheidend zur Beantwortung dieser Fragen, ist die Beschäftigung mit den Ursachen von Flucht. Wohin Menschen auch fliehen, sie tun es nicht aus Abenteuerlust. Sie lassen in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Wurzeln, ihre Familie und ihr Hab und Gut zurück. Amref Health Africa setzt sich als afrikanische Organisation seit über 50 Jahren dafür ein, dass Menschen in ihrer Heimat die strukturellen Voraussetzungen finden, etwas aus ihrem Leben machen zu können. Stärkung der Gesundheitsstrukturen, Aus- und Weiterbildung in den ländlichen Regionen, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt, Aufklärung und Prävention – dafür steht Amref Health Africa. 1.000 Mitarbeiter, davon 95% Afrikaner und Afrikanerinnen, setzen sich dafür ein, die Lebensbedingungen in Afrika so zu verbessern, dass sich die Menschen dort nicht gezwungen sehen, fliehen zu müssen. Aus Afrika, für Afrika. Und das Beste, es funktioniert. Das sehen wir jeden Tag, wenn wir von unseren KollegInnen in Afrika die vielen Erfolgsgeschichten hören. Zum Beispiel von jungen Frauen, die dank des eLearnings von Amref Health Africa die Möglichkeit erhalten, sich weiterzubilden ohne dafür ihre Heimat verlassen zu müssen.

Doch oft ist es schwierig, hierfür auch die nötige Öffentlichkeit zu finden. Wo die Symptome des Elends deutlich sichtbar sind, wo emotionale Themen wie Hunger oder akute Lebensgefahr dominieren, da ist Aufmerksamkeit schnell erzeugt. Aber wo die strukturellen Ursachen angegangen werden, bleibt dies schwierig.

Deshalb wollen wir Ihnen die ungehörten Geschichten unserer ganz persönlichen Heldinnen erzählen. Frauen, deren Lebensbedingungen verbessert wurden und die wieder Mut für eine sichere Zukunft in ihrer Heimat haben – dort wo alle Flüchtlinge am liebsten blieben.

Phyllis Kyallo – Unabhängig durch eigenes Einkommen

Phyllis Kamene Kyallo,Handwerkerin_klein»Ich gehöre zu einer Gruppe von 10 Handwerkerinnen. Amref Health Africa hat uns im Brunnenbau ausgebildet. Anfangs wurden wir ausgelacht, weil wir Männerarbeit machten. Aber heute werden wir für unsere Arbeit bewundert. Jeder sieht die Vorteile: Fast alle Nachbarn haben Latrinen und unsere Kinder keine Durchfallerkrankungen mehr. Sie können zur Schule gehen, weil sie ihren Müttern nicht mehr bei der Suche nach Wasser helfen müssen. Ich habe in der Ausbildung auch gelernt wie wichtig Hygiene und sauberes Wasser für die Gesundheit ist. Dieses Wissen gebe ich jetzt weiter. Ich bin gesund, meine Kinder gehen zur Schule und durch mein eigenes Einkommen bin ich unabhängig, das macht mich glücklich.«

Dr Koki Muli: Ich lebe meinen Traum

10384352_1607432752821850_272571080016148193_n„Ich bin Ärztin, arbeite für Amref Health Africa und koordiniere ein 50 Mio USD Programm im Norden Kenias. Das alles ist mir möglich, weil meine Familie mir die Möglichkeit gab, eine Schule zu besuchen, zu studieren und so meine Träume zu verwirklichen. Mein Mann und meine Kinder unterstützen mich und mein Arbeitgeber hat meine Potentiale erkannt. So stehe ich heute hier und lebe meinen Traum:  Ich lebe in meiner Heimat, mit meiner Familie, und ich kann den Menschen helfen, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie ich.“

Elisa – Sauberes Wasser ermöglicht Bildung

Elisa_13_PortraitElisa ist 13 Jahre alt. Sie ist eine Massai und lebt in einem kleinen Dorf in Kenia. Jeden Morgen macht sie sich gemeinsam mit ihren Brüdern auf den einstündigen Fußmarsch zur Schule. Aber das war nicht immer so. Früher musste sie täglich kilometerweit laufen, um für ihre Familie Wasser zu holen. Da blieb keine Zeit für den Schulbesuch.

„Nun, da Amref Health Africa einen Brunnen gebaut hat, muss ich nicht mehr stundenlang laufen, um Wasser zu finden. Seit wir Zugang zu sauberem Wasser haben, sind im Dorf alle viel seltener krank. Besonders freue ich mich darüber, dass ich die neu gewonnene Zeit für den Schulbesuch nutzen kann. Später möchte ich einmal Ärztin werden. Ohne den Schulbesuch hätte ich keine Chance, später einen Beruf zu ergreifen.“