Pressemitteilung 10.10.2013
Flüchtlingsthematik – Ursachen angehen, statt Symptome zu bekämpfen

Wenn Menschen auf schwierigen Wegen und mit unsicheren Transportmitteln nach Europa kommen, dann tun sie das nicht, weil sie Lust auf ein Abenteuer haben. Die Lebensbedingungen in ihrer Heimat sind so schwierig, dass Sie keinen anderen Ausweg sehen, als diese waghalsige Reise auf sich zu nehmen. Innenminister Friedrich fordert in Anbetracht der jüngsten Katastrophe vor Lampedusa, die Lebensbedingungen in Afrika zu verbessern – doch wie ernst dürfen wir diese Forderung nehmen?

026_amref-schulprojekt-in-uganda-1024x768AMREF, die African Medical and Research Foundation, setzt sich als afrikanische Organisation seit über 50 Jahren dafür ein, dass Menschen in ihrer Heimat die strukturellen Voraussetzungen finden, die es ihnen ermöglichen, etwas aus ihrem Leben machen zu können. Strukturaufbau des Gesundheitswesens, Aus- und Weiterbildung auch in den ländlichsten Regionen, Aufklärung und der feste Glaube daran, dass Projekte nur nachhaltig erfolgreich sein können, wenn sie aus dem Kontinent selbst kommen – dafür steht AMREF. 900 Mitarbeiter, davon 95% Afrikaner und Afrikanerinnen, setzen sich dafür ein, die Lebensbedingungen in Afrika so zu verbessern, dass sich die Menschen dort nicht gezwungen sehen, fliehen zu müssen. Doch oft ist es schwierig, hierfür die nötige öffentliche Unterstützung zu finden. Wo die Symptome des Elends deutlich sichtbar sind, wo emotionale Themen wie Hunger oder akute Lebensgefahr dominieren, da ist Aufmerksamkeit schnell erzeugt. Aber wo die strukturellen Ursachen angegangen werden, bleibt es schwierig, Unterstützung zu finden. Die Forderung Friedrichs, ist deshalb zu begrüßen.

Doch was genau ist gemeint mit „stärkerer Kooperation“?
Man muss sich fragen, wie ernst der Vorschlag überhaupt gemeint ist. Und warum setzt die Diskussion erst dann ein, wenn die Problematik quasi vor der Haustür steht? Denn nicht erst seit dem tragischen Flüchtlingsunglück vor Lampedusa ist allgemein bekannt, dass die Lebensumstände der Menschen, die sich auf den langen und beschwerlichen Weg nach Europa machen, schwierig sind. Handelt es sich bei Friedrichs Versprechen also nur um eine „Bierzelt-Aussage“, wie sie ihm jüngst von der EU-Justizkommissarin Viviane Reding bescheinigt wurde? Oder hat das neuerliche Unglück mit mehr als 300 Toten tatsächlich die Augen der Politik geöffnet?

„Sollte das Unglück vor Lampedusa die deutsche Politik tatsächlich wachgerüttelt haben, und es ernstzunehmende Bestrebungen geben, die Ursachen anzugehen, dann werden davon am Ende nicht nur die Menschen in Afrika profitieren, sondern auch in Europa – auf sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ebene.“, so Dr. Marcus Leonhardt, CEO bei AMREF Deutschland.

Bisher ist wenig Konkretes über die Pläne Friedrichs öffentlich geworden, sicherlich wird auch darauf gehofft, einen gesamteuropäischen Ansatz zu finden. Ob Europa dem Thema allerdings lange genug Aufmerksamkeit schenkt, um tatsächlich Schritte von der Politik einzufordern, bleibt abzuwarten. Ohne diesen Druck, kehrt wahrscheinlich schon bald wieder „Frieden“ ein – in Lampedusa.

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