Charity-Evakuierungen

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Die Amref Flying Doctors führen auch “Charity-Evakuierungen” durch.  Davon provitieren jene Patienten, die eine Evakuierung mit dem Flugzeug nicht bezahlen können, aber so ernsthaft verletzt sind, dass eine Evakuierung dringend notwendig ist. Um solche “Charity-Evakuierungen” zu finanzieren, werden auch Überschüsse aus dem Mitgliedschaftssystem für Touristen verwendet. Im Jahr 2012 wurden 25 Charity-Evakuierungen durchgeführt.

Nachfolgend finden Sie den Bericht einer  “Charity-Evakuierung”.

Amref Flying Doctors evakuieren schwerverletztes 20jähriges Mädchen nach bewaffnetem Überfall (Wajir, Kenia)

Am 14.06.2013, um 10:40 Uhr erhielt das Notfallzentrum der Amref Flying Doctors einen Notruf aus Wajir: Ein 20-jähriges Mädchen wurde bei einem Überfall attackiert und angeschossen. Ihr rechtes Knie und ihr linker Oberschenkel wurden ebenfalls verletzt. Außerdem war die junge Frau schwanger und das ungeborene Kind hatte den Angriff nicht überlebt. Medizinische Versorgung war dringend nötig, um überhaupt eine Chance zu haben, das Leben der jungen Frau noch zu retten.

Schusswunden sind sehr ernste Verletzungen, die nicht unterschätzt werden sollten. Dass die Patientin sich außerdem an einem Ort befand, wo keine angemessene medizinische Ausrüstung vorhanden ist, war Grund genug ein Flying Doctors Team nach Wajir zu schicken.

Zwei Stunden nach Abflug und 760 km entfernt landete das Team wohlbehalten am Wajir Flughafen und baute die medizinische Ausrüstung auf, um sich auf die Ankunft des Krankenwagens mit der jungen Frau vorzubereiten. Ein Flughafenangestellter begrüßte die Crew und fragte, ob sie die Flying Doctors seien, was die Crew bejahte. Im Gesicht des Mannes zeichnete sich Anerkennung ab. Die “fliegenden Ärzte aus Afrika” waren Ihm offensichtlich ein Begriff.

Als der Patientin Edin Qalo endlich auf dem Flughafengelände eintraf, durfte keine Zeit mehr verloren werden. Sie wurde auf einer Krankentrage bis zum Flugzeug gebracht. Wegen ihrer starken Atembeschwerden konnte sie sich nicht hinlegen und musste im Sitzen transportiert werden. Trotz der kritischen Lage, in der sie sich befand, erschien Edin sehr friedlich. Sie blieb ruhig als die Ärzte und Krankenschwestern anfingen, sie zu behandeln.P1020674_web

Das war passiert

Der Arzt von Krankenhaus Wanjir, der die Patientin zum Flughafen gebracht hatte, hatte nun kurz Gelegenheit zu berichten was vorgefallen war:

In der Nacht wurden Edin und Ihre Familie attackiert, nachdem ihre Hütten an der Grenze zwischen Wajir und Mandera von bewaffneten Truppen überfallen wurden. Als die Männer anfingen auf die Einwohner zu schießen, kamen Edins 16-jähriger Bruder, ihre ältere Schwester, ihre kleine Nichte ums Leben. Die Männer setzten das ganze Dorf in Brand. Nur sehr wenige Leute konnten sich rechtzeitig verstecken oder entkommen.

Als diejenigen, die es geschafft hatten dem Überfall zu entkommen, zurückkahmen, um nach Überlebende zu suchen, fanden sie die schwer verletze Edin, die es geschafft hatte, sich stundenlang unter den Leichen an das Leben zu klammern. Sie wurde in einem Handwagen bis zur nächsten Stadt transportiert. Dort wartete bereits ihr Onkel, der sie mit einem Lastwagen nach Wajir zum nächsten Krankenhaus fuhr.

Das Krankenhaus, das nicht auf die Behandlung solcher Verletzungen vorbereitet war, wendete sich an die Amref Flying Doctors, um eine Notevakuierung einzuleiten.

Zurück in die Gegenwart: Auf dem Weg zum Krankenhaus

Inzwischen bereitete sich das Team vor, die junge Frau in das Flugzeug zu laden. Allerdings wurde Edin im Flugzeug schlagartig unruhig und konnte weder die Sauerstoffmaske, noch das Korsett ertragen, die ihr die Ärzte angelegt hatten. Um sie zu entspannen, mussten ihr die Ärzte Beruhigungsmittel geben. Grund für den Panikanfall war neben der schrecklichen Ereignisse vielleicht auch, dass sie noch nie zuvor in einem Flugzeug oder in einem Krankenhaus gewesen war.

Als der Arzt sich noch im Flugzeug ihre Röntgenbilder ansah, konnte er sofort entdecken, dass etwas mit ihrem linken Lungenflügel nicht stimmte. Nachdem er ihre Brust mit einem Stethoskop untersucht hatte, konnte er feststellen, dass Luft zwischen Lunge und Brustkorb eingedrungen war und er musste unverzüglich einen Schlauch in ihrer Brusthöhle einführen. Sobald sie wieder normal atmen konnte, stabilisierte sich Edins Zustand und das Team konnte in Richtung Nairobi starten, wo am Kenyatta National Hospital ein Bett auf sie wartete.P1020726_web

Edin hat Dank der Evakuierung durch die Amref Flying Doctors und der Behandlung im Krankenhaus zwar eine neue Chance bekommen, ihr Leben weiterzuführen, doch es wird keine leichte Aufgabe sein. Monate werden vergehen, bis sich ihr Zustand verbessert und selbst dann, wird sie für immer mit dem schmerzhaften Verlust ihrer Familie leben müssen.

    • Pilot: Capt. Matthew Brown
    • Arzt: Dr. Rueben Okioma
    • Krankenschwester: Festus Njuguna
    • Flugzeug: Cessna Caravan 5Y-FDB
    • Gesamtkosten: USD 6180
    • Distanz Nairobi-Wajir: 760 km

Charity Notevakuierungen wie diese, werden Dank der weltweiten Unterstützung für die Amref Flying Doctors ermöglicht. Amref Flying Doctors ist allen Menschen äußerst dankbar, die sich weltweit dafür einsetzen, die Finanzierung dessen zu ermöglichen, was die Amref Flying Doctors am besten können,  Leben retten.

Wenn Sie eine Touristen- oder Jahresmitgliedschaft bei den Amref Flying Doctors abschließen, dann kommt der Mitgliedsbeitrag zu 100% Amref zugute und hilft somit auch Charity Evakuierungen, wie die von Edin, zu ermöglichen.

Wenn Sie spenden möchten, dann können sie dies hier tun.