Alternative Übergangsrituale für Maasai-Mädchen
Keine weibliche Genitalverstümmelung

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>> Aktuell (01. März 2016): Keine Toleranz für weibliche Genitalverstümmelung

Der Übergang von der Phase des Mädchen-Seins zum Erwachsenwerden ist ein sehr wichtiger, überall auf der Welt. Bei den Maasai in Kenia und Tansania ist diese Zeit allerdings oftmals verbunden mit der schmerzhaften Genitalbeschneidung von jungen Mädchen, die oft lebenslange Schmerzen und Beeinträchtigungen für die Mädchen bedeuten. Obwohl weibliche Genitalverstümmelung in beiden Ländern offiziell verboten ist, ist die Beschneidung in manchen Regionen immer noch ein wichtiger traditioneller Bestandteil der Initiation von Mädchen in das Erwachsenenleben. Die Maasai von den Gefahren und den Leiden durch die Beschneidung zu überzeugen und sie für ein Eintreten gegen die weibliche 34649abc993982b197aa9a6210af69ed_LGenitalverstümmelung zu gewinnen, erfordert ein geduldiges und verständnisvolles Vorgehen. Deshalb entwickelt Amref Health Africa zusammen mit Maasai-Communities alternative Rituale für den wichtigen Eintritt in das Erwachsensein. Dabei werden die bestehenden Rituale abgewandelt und ergänzt, andere Teile werden beibehalten, jedoch wird die zum Teil lebensgefährliche Genitalbeschneidung nicht mehr durchgeführt.

Dieser Ansatz trifft besonders bei den Männern der Gemeinschaften anfangs oft auf viel Skepsis, weil mit der Beschneidung eines Mädchens auch der Zeitpunkt für ihre Heiratsfähigkeit zelebriert wird. Und eine unbeschnittene Frau zu heiraten, ist für viele Männer ein Tabu. Daher braucht es von Amref Health Africa viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit, um alle Beteiligten davon zu überzeugen, dass die unbeschnittenen Mädchen ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft sind. Sie bleiben nicht nur von den vielen negativen gesundheitlichen Folgen der Beschneidung verschont, sondern können auch länger zur Schule gehen, später heiraten und später Kinder bekommen.

Dr. Koki Kinagwi (Amref Health Africa Kenia) sagt über das Vorgehen bei der Entwicklung alternativer Initiationsriten:

Das Modell begann mit der Sensibilisierung der lokalen Gemeindemitglieder, wie den Ältesten, den jungen Massai-Kriegern und den Eltern der jungen Mädchen.

Sie werden über die Folgen der Beschneidung aufgeklärt und es werden gemeinsam mit ihnen alternative Konzepte für die Initiation der Mädchen in ihren Gemeinden entwickelt.

Seit 2009 haben in Kenia und Tansania bereits mehr als 9.000 Mädchen an den mit Amref Health Africa erarbeiteten alternativen Übergangsritualen teilgenommen. Sie sind damit die ersten Mädchen in ihren Gemeinden, die nicht beschnitten wurden.

Neben den bestehenden Ritualen hatten sich die jungen Mädchen vor allem eines gewünscht: Bildung. Deshalb erhalten die Mädchen während eines dreitägigen Trainings im Vorfeld des Festes zusätzlich Aufklärung über sexuelle und reproduktive Rechte, HIV/Aids und die Menschenrechte.

MalasoMalaso (12) ist eines der Mädchen, die bereits an den alternativen Feierlichkeiten teilgenommen haben. Sie sagt:

Ich habe viel über die Gefahren der weiblichen Genitalverstümmelung gelernt. Sie verursacht schlimme Schmerzen und man blutet stark. Außerdem wird erwartet, dass man bald danach heiratet; meist einen wesentlich älteren Mann. Dabei ist es doch so wichtig erst die Ausbildung abzuschließen.

Auch ihre Eltern unterstützen, dass sie nicht beschnitten wird und stattdessen weiter zur Schule geht. Denn Malaso hat noch große Pläne: Sie will die Schule abschließen und Pilotin werden, die erste in ihrem Dorf.

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