Alternative Übergangsrituale für Maasai-Mädchen
Keine weibliche Genitalverstümmelung

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Alternative Initiationsrituale für Massai-Mädchen verhindern weibliche Genitalverstümmelung.

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Der Übergang von der Phase des Mädchen-Seins zum Erwachsenwerden ist ein sehr wichtiger, überall auf der Welt. In einigen Regionen Afrikas ist 34649abc993982b197aa9a6210af69ed_Ldiese Zeit allerdings auch heute noch verbunden mit der brutalen Praktik der Genitalbeschneidung von jungen Mädchen. Dabei werden die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt. Meist wird der Eingriff unter unhygienischen Bedingungen, ohne Narkose und mit einfachen Hilfsmitteln, wie Glasscherben oder Rasierklingen, durchgeführt. Die betroffenen Mädchen leiden ihr Leben lang unter den gesundheitlichen Folgen der grausamen Praktik – etwa durch Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei einer späteren Geburt.

Bis zum Jahr 2030 werden weltweit voraussichtlich 86 Millionen Mädchen Opfer weiblicher Genitalverstümmelung, wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt.

Seit 2008 arbeitet Amref Health Africa verstärkt mit den nomadischen Gemeinden in Tansania und Kenia an sensiblen Themen wie den sexuellen und reproduktiven Rechten der Mädchen. Schnell wurde dabei festgestellt, dass die Praktik der Beschneidung eine der Hauptursachen für die Benachteiligung der Mädchen und Frauen sowie die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit ist. Aber es wurde auch klar, dass diese Tradition stark in den Massai-Gemeinden verankert ist – trotz offiziellen Verbots durch die Regierung, das bis dato nur dazu geführt hatte, dass die Beschneidungen heimlich durchgeführt werden.

Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, die Gemeinden aktiv mit einzubeziehen und gemeindebasiert an Alternativen zu arbeiten, die nachhaltig dazu führen, dass Mädchen von der gefährlichen Beschneidung verschont bleiben. Nur so haben sie eine Chance auf ein selbstbestimmtes, gesünderes Leben.

ALTERNATIVE RITES OF PASSAGE

Amref Health Africa arbeitet mit den Gemeinden an alternativen Riten, die eine würdevolle und von allen anerkannte Initiation der Mädchen ohne Beschneidung ermöglichen. Die Gemeindemitglieder für ein Engagement gegen die weibliche Genitalverstümmelung zu gewinnen, erforderte ein geduldiges und verständnisvolles Vorgehen. Nach und nach werden die Männer, die Ältesten, die Mütter, die traditionellen Beschneiderinnen und die jungen Mädchen selbst in das Projekt eingebunden und über die Risiken der Beschneidung aufgeklärt.

Gemeinsam werden sogenannte ›Alternative Rites of Passage‹ (ARP) entwickelt. Dabei handelt es sich um gemeindebasierte Praktiken, die traditionelle Elemente der Initiation  erhalten, aber auf die schmerzhafte, risikoreiche Beschneidung gänzlich verzichten.

_MG_6892_kleinDabei ist jedes ARP ein wenig anders, da die Rituale aus Überzeugung ›communityled‹ sind und laufend Adaptionen stattfinden. Zudem variieren die ›blessings< bei den verschiedenen Massai-Gemeinden – bei manchen ist die Bemalung wichtig, bei anderen das Abrasieren der Haare. Die alternative Initiation findet immer in den Schulferien statt, wenn die Mädchen traditionell nach Hause kommen und sie am meisten gefährdet sind, beschnitten zu werden.

Seit 2009 haben in Kenia und Tansania bereits mehr als 10.000 Mädchen an den mit Amref Health Africa erarbeiteten alternativen Übergangsritualen teilgenommen.

Neben den bestehenden Ritualen hatten sich die jungen Mädchen vor allem eines gewünscht: Bildung. Deshalb erhalten die Mädchen während eines dreitägigen Trainings im Vorfeld des Festes zusätzlich Aufklärung über sexuelle und reproduktive Rechte, HIV/Aids und die Menschenrechte.

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