MDGs – eine Bilanz für Afrika

P1070497_klein

Im Jahr 2000 kam die Weltspitze zusammen, um die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) zu verabschieden, die bis 2015 erreicht werden sollten. Wir ziehen Bilanz und fragen:

Was wurde in Afrika erreicht? Was können wir aus der Erfahrung lernen? Wo müssen wir verstärkt aktiv werden?

Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann gibt es klare Erfolge für Afrika zu vermelden. Unzählige Leben konnten gerettet werden, die Kindersterblichkeit ist deutlich gefallen, die Zahl der HIV-Neuinfektionen sogar um 70 Prozent. Aber um klare Forderungen für die nun folgenden nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) zu formulieren, lohnt besonders der Blick auf die Herausforderungen:

Die Armut konnte in Afrika südlich der Sahara um 28 Prozent gesenkt werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber der weltweit geringste Fortschritt in diesem Bereich. Mehr als 40 Prozent der Menschen leben in Afrika nach wie vor in extremer Armut. Wenn man dabei das starke Bevölkerungswachstum mitberücksichtigt, dann wird deutlich, dass in absoluten Zahlen heute sogar mehr Menschen in absoluter Armut leben – trotz aller Erfolge.

Die Mangelernährung in Afrika südlich der Sahara liegt noch immer bei 23 Prozent der Bevölkerung, hat aber in absoluten Zahlen zugenommen. Auch dies hängt maßgeblich mit dem starken Bevölkerungswachstum zusammen, da dieser eine zusätzliche Belastung für Ressourcen und die ökologische Fragilität sowie politische und ökonomische Umwälzungen bedeutet. Auch die Ernährung von Müttern vor, während und nach der Schwangerschaft sowie Stillen und Nahrungssicherheit stellt nach wie vor eine Herausforderung dar. Als Resultat der chronischen Mangelernährung sind mehr als ein Drittel der afrikanischen Kinder unterentwickelt, was ihre Zukunftschancen und ökonomische Produktivität deutlich verringert.

Die Kindersterblichkeit in Afrika südlich der Sahara ist zwar um 52 Prozent gefallen, aber damit ist sie immer noch doppelt so hoch wie im weltweiten Vergleich. 86 von 1.000 Kinder überleben in Afrika nicht die ersten 5 Lebensjahre, weltweit sind es nur 43 von 1.000. Täglich sterben so – trotz aller Erfolge – 10.000 Kinder in Afrika an vermeidbaren Krankheiten. Insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an Lebendgeburten, muss hier mehr getan werden. Denn die Bevölkerung in Afrika wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln: Von 1,1 Billionen auf mindestens 2,4 Billionen in 2050.

Deshalb muss es nicht nur stärkere Bemühungen geben, die Kindersterblichkeit zu senken, sondern diese müssen auch eng mit Initiativen zur Bevölkerungskontrolle verknüpft werden. Zentrales Stichwort ist „Familienplanung“. Diese Maßnahmen schützen nicht zuletzt die Gesundheit der Frauen und Kinder und müssen in der post-MDG Agenda fest verankert werden.

Die Müttersterblichkeit konnte zwar deutlich gesenkt werden, ist aber weltweit noch immer die höchste. Von 289.000 Müttern, die weltweit jährlich an Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen sterben, entfallen 200.000 auf Afrika. Alle zwei Minuten stirbt eine Mutter. Wenn man bedenkt, dass nur jede zweite Mutter überhaupt Zugang zu einer ausgebildeten Fachkraft (Ärzte, Krankenschwestern oder Hebammen) während der Geburt hat, dann wird klar, dass das größte Problem im Zugang zu medizinischer Versorgung liegt. So muss das Thema Fachkräftemangel im medizinischen Bereich ein zentrales Thema der post-MDG Agenda sein.

Afrika beheimatet 11 Prozent der weltweiten Bevölkerung, trägt 24 Prozent der weltweiten Krankheitslast, aber hat nur 3 Prozent der weltweiten Gesundheitsfachkräfte.

Hinzu kommen große regionale Ungleichheiten. So haben 71 Prozent der städtischen Bevölkerung Zugang zu professioneller Geburtsbegleitung, während dies in den ländlichen Regionen nur 38 Prozent sind.

Eine zentrale Ursache für die geringen Fortschritte im Bereich Müttersterblichkeit sind auch Schwangerschaften bei Heranwachsenden. 116 von 1.000 jungen Frauen werden zu früh Mutter. Sexuelle Aufklärung und Familienplanung müssen verstärkt durchgeführt werden.

Im Bereich der Infektionskrankheiten konnten gute Fortschritte erzielt werden. Die Anzahl der HIV-Neuinfektionen konnte im Laufe der MDG-Ära signifikant gesenkt werden. Trotzdem finden sich mehr als 70% der HIV-Neuinfektionen in Afrika, weniger als 40 % der Jungendlichen (15-24 Jahre) sind umfassend über HIV aufgeklärt. Der Zugang zu Wissen, Tests, und Medikamenten muss eine Schlüsselrolle in der post-MDG Ära einnehmen, um die erzielten Erfolge weiter auszubauen. Dabei sollte auch Aufklärung über Drogenmissbrauch und Alkoholkonsum integriert werden.

Eine wachsende Gefahr stellen in Afrika auch nichtübertragbaren Krankheiten dar. Während derzeit noch ansteckende Krankheiten die Haupttodesursache in Afrika sind, so wird erwartet, dass dieser Trend sich im nächsten Jahrzehnt ändern wird – angeführt von Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, chronischen Lungenerkrankungen und Krebs.

Afrikas Gesundheitssysteme sind nach wie vor schwach, da Jahrzehnte zu wenig investiert wurde und schlechtes Management vorherrschten. In einigen Ländern sind bis zu 40 Prozent der Gesundheitsausgaben „Out-of-Pocket“ Ausgaben, da die Länder nicht die Vereinbarung der Abuja Deklaration aus 2001 erfüllen, 15 Prozent des Haushaltsbudgets in die Verbesserung des Gesundheitssektors zu stecken.

Der Blick auf die Herausforderungen zeigt wie wichtig es ist, die Erfolge der MDGs jetzt nicht als endgültig anzusehen, sondern weiter hart daran zu arbeiten, diese zu festigen und weiter auszubauen.

Familienplanung, der Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit sowie die Nutzung innovativer Ansätze zum Ausbau der Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal werden hierfür zentrale Motoren sein – und deshalb Schwerpunktthemen der Arbeit von Amref Health Africa.