Stellungnahme
Keine Toleranz für Beschneidung

_MG_8869_FGM_klein_schmalDiese Woche haben sich zwei amerikanische Gynäkologen im Journal of Medical Ethics für die Akzeptanz einer „harmlosen“ Form der weiblichen Genitalverstümmelung ausgesprochen – und damit heftige Diskussionen ausgelöst. Ihr Argument: Ein solcher Kompromiss würde den Mädchen helfen, weil hiermit einerseits kulturelle Differenzen respektiert, andererseits durch kleine Eingriffe weniger gesundheitlicher Schaden für die Mädchen entstehen würde.

Wir lehnen diese Augmentation strikt ab. Warum?

Weil man weibliche Genitalverstümmelung nicht tolerieren muss, um kulturelle Praktiken zu respektieren.

Für weibliche Beschneidung gibt es keine medizinische Notwendigkeit und so ist jegliche Form der Beschneidung eine Verletzung der Würde der Frauen, die oft mit lebenslangen körperlichen und seelischen Schmerzen einhergeht.

Schlichtweg an der Realität vorbei geht zudem der Vorschlag, kleinere Eingriffe fachmännisch von Ärzten und unter Narkose durchführen zu lassen. In afrikanischen Ländern wird die Beschneidung durch traditionelle Beschneiderinnen vollzogen. Sie nutzen dafür Rasierklingen oder vergleichbare scharfe Gegenstände. Die hygienischen Bedingungen sind extrem schlecht, auch weil die Beschneidung im Dorf und nicht in einem Krankenhaus vollzogen wird. Das Umfeld und die Beschneidungspraktik so zu verändern, dass eine harmlose Beschneidung fachmännisch unter Narkose durchgeführt werden kann, würde schlicht nicht anerkannt werden. Das Mädchen wäre vor einer nachträglichen “richtigen” Beschneidung nicht sicher.

Um die Mädchen vor der weiblichen Genitalverstümmelung zu schützen, bedarf es also nicht einer falschen Toleranz gegenüber einer abgeschwächten Form der Beschneidung. Vielmehr braucht es einen intensiven Dialog und Aufklärungsarbeit, um die Menschen schlussendlich selbst die Entscheidung treffen zu lassen, dass Beschneidung nicht länger praktiziert werden soll. Nur das ist wirklich nachhaltig.

Amref Health Africa entwickelt deshalb gemeinsam mit Massai-Gemeinden in Kenia und Tansania alternative Initiationsrituale, die Traditionen achten, aber auf die Beschneidung der Mädchen verzichten. Mit großem Erfolg! Seit 2009 konnten bereits über 9.000 Mädchen vor einer Beschneidung geschützt werden.

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>> Video: Stop FGM – Die Geschichte von Nice