Trauer um Gründerin Leonore Semler

Semler_früher&heute

Amref Health Africa Deutschland trauert um die Gründerin und langjährige Ehrenvorsitzende Leonore Semler. Sie ist am 19. Oktober 2016 im Alter von 95 Jahren verstorben. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und engen Vertrauten.

Helfen als Lebenswerk: Leonore Semler war eine Kämpferin, eine Kämpferin für die gute Sache. Am 22. November 1963, dem Tag des Attentats auf J. F. Kennedy, traf Leonore Semler den Amref Mitgründer Sir Michael Wood und gründete auf seinen dringenden Wunsch hin Amref Deutschland, „um etwas zu tun, das die Welt zu einem besseren Ort macht“.

In mehr als 50 Jahren hat Leonore Semler gemeinsam mit ihren Mitstreitern einen zweistelligen Millionenbetrag gesammelt, damit Amref Deutschland sich für eine bessere Gesundheitsversorgung in ganz Ostafrika einsetzen kann. Sie war dabei immer der Meinung, dass man als gute Fundraiserin um die Unterstützung für nachhaltige Entwicklungsprojekte werben sollte, statt kurzfristig Hilfsgüter zu verteilen. Ein Anspruch, der damals wie heute für die Arbeit von Amref gilt. Ihr Herz galt insbesondere den Flying Doctors und den Ausbildungsprogrammen von Amref.

1987 wurde Leonore Semler das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihren Einsatz für die Menschen in Ostafrika von Richard von Weizsäcker überreicht.

Seit sie sich 2009 aus Altersgründen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, war Leonore Semler Ehrenpräsidentin von Amref Deutschland. In dieser Funktion blieb sie dem afrikanischen Kontinent bis an ihr Lebensende eng verbunden und unterstützte die Arbeit von Amref engagiert weiter. Sie war gleichermaßen Fürsprecherin und Fundraiserin für die Projekte von Amref und für die Menschen in Afrika.

Als im Jahr 2013 das 50-jährige Jubiläum von Amref Deutschland gefeiert wurde, blickte Leonore Semler zurück und erinnerte sich an die harte Arbeit, an die guten Erfahrungen und Herausforderungen sowie an die Entwicklung, die Amref in fünf Jahrzehnten durchlaufen hat, um heute die führende nichtstaatliche Gesundheitsorganisation Afrikas zu sein. Gemeinsam wollen wir uns erinnern:

——————————————————————————————————————

Reese&Wood_circa19851963 war der Begriff `Entwicklungshilfe´ noch relativ unbekannt. Die Gründung des Ministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit war erst vor kurzem erfolgt und die Menschen in Deutschland, aber auch anderswo auf der Welt, fingen erst langsam an, sich mit der Idee einer globalen Welt auseinanderzusetzen.

 

Es gelang Frau Semler, zahlreiche Unterstützer für den Aufbau der Organisation in Deutschland zu gewinnen. Anfangs förderte Amref Deutschland hauptsächlich die Arbeit der Flying Doctors. Dies schloss die Finanzierung des Einsatzes deutscher Chirurgen, die Verbesserung der Operationssäle und der Labore in Krankenhäusern und die Betriebsausgaben der Flugzeuge ein.

Zu den ersten institutionellen Förderern von Amref Deutschland gehörte im Jahr 1969 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das die Mittel für die Finanzierung eines Flugzeugs für die Flying Doctors ermöglichte. Frau Semler selbst war an der Überführung der Cessna 206 Turbocharged von München nach Nairobi beteiligt. Das neue Flugzeug wurde für die Arbeit der fliegenden Ärzte dringend benötigt.

Leider hatte ich vergessen, nach der Finanzierung der Überführungskosten zu fragen und so blieb mir nichts anderes übrig als ‘den Vogel‘ selbst nach Nairobi zu überführen, gemeinsam mit einem Piloten und meinem Sohn.

Nach acht Tagen Reise, landeten sie am Flughafen, wo Sir Michael Wood das Flugzeug und die Crew in Empfang nahm.

Aber Frau Semlers Interesse für Afrika ging über die Arbeit für Amref hinaus:

1972 wurde ich von der kenianischen Regierung zum Attaché für die Olympischen Spiele in München ernannt und das kenianische Team wurde zum beliebtesten Team Deutschlands. Ich habe alle Athleten zu mir, in mein Haus in den Bergen, eingeladen. Ich war so stolz auf die ganzen Silber- und Goldmedaillen.

Das Team von Amref Health Africa Deutschland sowie die vielen Freunde und Weggefährten aus Afrika werden Leonore Semler als energische Kämpferin mit großen Herzen für Afrika in Erinnerung behalten. Danke, Leonore Semler!