Süd-Sudan: Entbindungsklinik und Hebammenschule

AMREF plant den Bau einer Entbindungsklinik und die Durchführung einer Hebammenschule im Süd-Sudan.

Warum ausgerechnet im Süd Sudan?
Im Süd Sudan herrscht die weltweit höchste Mütter-und Säuglingssterblichkeit.
Jede 15. Mutter stirbt bei der Geburt. Jedes 5. Kind erreicht nicht das 5. Lebensjahr.

Warum ist das so?
Mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg haben das Land zerstört. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, Schulen, Gesundheitszentren, Straßen, Brücken, soziale und administrative Infrastruktur sind zerstört. Millionen Menschen sind im Krieg getötet worden. Millionen mussten durch Flucht ihre Heimat aufgeben. Qualifiziertes Personal hat wegen mangelnder Arbeitsmöglichkeiten das Land verlassen. Analphabetismus, extreme Armut, Hunger und Krankheiten sind die Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen.

Der Süd Sudan erstreckt sich über eine Fläche von 64.000 Quadratkilometern, und weist eine geschätzte Bevölkerung von 9.6 Millionen auf, von den 53 % unter 18 Jahre alt sind. 98% der Bevölkerung leben in ländlichen Gegenden.
Nur 25% der Bevölkerung des Süd Sudan hat Zugang zu irgendeiner Art von medizinischer Behandlung.
Es gibt keine vorgeburtliche Betreuung. Keine Prophylaxe. Keine Untersuchung. Keine Beratung.
Weniger als 1% der Bevölkerung hat Zugang zu Verhütungsmethoden.
Nur 5% aller Geburten finden in Anwesenheit von irgendwie ausgebildetem Gesundheitspersonal statt.
Und selbst wenn es solches Personal irgendwo gibt … dann müssen die hochschwangeren Frauen kilometerweit gehen, um es zu erreichen. Kein Krankenwagen, keine Abholung. Keine Notfallversorgung.
Die Mütter müssen lange Fußmärsche unternehmen, teilweise mit kleinen Geschwisterkindern auf dem Rücken und an der Hand, um überhaupt irgendeine Art von medizinischer Versorgung erhalten zu können.

Die Ursachen für Schwangerschaftsassoziierte Todesfälle bei den jungen Müttern sind vielfältig: Infektionen, vorzeitige Lösung der Plazenta, intra- und postpartale Blutungen.
Komplikationen, die beherrschbar wären, wenn geschultes Personal vorhanden wäre.
Infektionen, die verhinderbar wären, wenn hygienische Verhältnisse vorhanden wären. Wenn es steriles Material gäbe. Wenn es Infusionen gäbe. Wenn es ein Bett gäbe.
Jede 15. Geburt im Süd Sudan verläuft tödlich für die Mutter.
Während in den Industrieländern eine Schwangerschaft meist das vollkommene Glück ist, ist es im Süd Sudan häufig ein Todesurteil.

Die mangelnde Geburtsvorbereitung und –begleitung betrifft natürlich auch die Neugeborenen. Viele Kinder sterben bereits im Mutterleib. Diejenigen, die das Licht der Welt erblicken, können nicht geimpft werden. Nur jedes 4. Kind erhält eine Impfung gegen Masern. Nicht einmal jedes 10. Kind kann mit einer DPT – Impfung (Diphterie, Keuchhusten, Wundstarrkrampf) versorgt werden. Man spricht von dieser Gegend der Welt als der „Wiege der Epidemien“. Immer wieder kommt es zu weitverbreiteten Ausbrüchen von Typhus, Cholera, Durchfallerkrankungen, Hirnhautentzündungen, Atemwegserkrankungen, HIV/AIDS, Tuberkulose, Masern, und Malaria. Krankheiten, denen die Neugeborenen nichts entgegen zu setzen haben, weil sie keinen Zugang zu schützenden Medikamenten haben. Und weil sie mangelernährt sind.
Jedes 5. Kind wird keine 5 Jahre alt.

Die internationale Staatengemeinschaft hat mit der Formulierung der MDG – Millennium Development Goals sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 die Kindersterblichkeit der unter-5-Jährigen um zwei Drittel zu senken.
Aber erst kürzlich haben UN und WHO die Alarmglocke geläutet: um dieses Ziel zu erreichen, sei es SOFORT not-wendig, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Gesundheitshelfer und Hebammen in Sub-Saharan Afrika zu VERDOPPELN.

AMREF hat sich dem Erreichen dieser Ziele verschrieben.

Wie?
Um zu helfen, die MDGs zu erreichen, um vermeidbare Krankheiten vorzubeugen und zu behandeln, bedarf es des Vorhandenseins einer Infrastruktur und von Behandlungsmöglichkeiten.
Und um diese Behandlungen dann auch tatsächlich durchführen zu können, bedarf es geschulten Personals, das von der lokalen Bevölkerung akzeptiert wird, und im Idealfall auch aus der Gegend selbst stammt. Nur so kulturelle, sprachliche und soziologische Barrieren überwunden werden.

AMREF ist eine afrikanische Organisation, ist seit mehr als 50 Jahren für die Verbesserung des afrikanischen Ge-sundheitswesens tätig – und genießt die Akzeptanz der Bevölkerung. Nicht nur, weil AMREF seit mehr als 5 Jahr-zehnten Krankenschwester, Hebammen und Clinical Officers ausbildet, die zu den am besten ausgebildeten Ge-sundheitshelfern in Afrika zählen, sondern auch deshalb, weil AMREF auch in Krisenzeiten „da bleibt“.

AMREF wird ab 2011 eine Entbindungsklinik für das Missionskrankenhaus Lui bauen. Mit deutschen Spendengel-dern, die durch „Ein Herz für Kinder e.V.“ für AMREF zur Verfügung gestellt werden, werden Räumlichkeiten für Behandlungen, stationären Aufenthalt, Labor und Untersuchungen geschaffen. Es ist geplant, pro Monat 20-30 Ent-bindungen durchführen zu können.

Weitere Spendengelder aus Deutschland sind von einer anderen großen Wohltätigkeitsorganisation in Aussicht gestellt worden, um HEBAMMEN auszubilden. Diese Gesundheitshelferinnen stammen aus der lokalen Bevölkerung und werden in der AMREF-Training-School ausgebildet, um stationär und in den Gemeinden vorgeburtliche, ge-burtsbegleitende und frühkindliche Versorgung durchführen zu können. Es ist geplant, pro Jahr 20 Hebammen aus-zubilden. Schwerpunkte der Ausbildung werden pränatale Diagnostik, das Erkennen von möglichen Komplikationen und die Durchführung von Impfungen sein. Weitere Ausbildungsinhalte sind Ernährungsberatung und Familienplanung.

Wo genau liegt Lui?
Lui liegt im Bezirk Western Equatoria, ca. 5 Stunden Autofahrt über unbefestigte Straße entfernt von Juba, der Hauptstadt des Süd-Sudan. Das Missionskrankenhaus wird von der anglikanischen Diözese betrieben, und dient als einzige medizinische Versorgungseinrichtung für eine Bevölkerung von ca. 150.000 Menschen. Neben AMREF ist noch eine weitere NGO dort tätig, die italienische CUAMM, die gegenwärtig einen Operationssaal baut. Im ganzen Krankenhaus Lui ist EIN Arzt tätig.

Natürlich hätten wir auch versuchen können, ein komplett neues Krankenhaus an einem anderen Ort zu bauen. Neuer, moderner, vielleicht mehr „unseren“ Vorstellungen entsprechend. Vielleichter für uns leichter von einem Flughafen aus erreichbar. Aber dies hätte bedeutet, dass wir an den Menschen „vorbei bauen“. Wir bauen das Kran-kenhaus nicht für uns, oder um einen Selbstweck zu erfüllen. Oder um unser Gewissen zu beruhigen.
AMREF will helfen, das riesige Potential Afrikas zu fördern.

Die Menschen in Lui haben Vertrauen in das Krankenhaus Lui. Sie verlassen sich auf Lui. Sie verstehen es als „ihr“ Krankenhaus. Also gehen wir mit den Menschen die Partnerschaft ein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst Verantwortung zu übernehmen. Nur so können wir verhindern, dass unser Engagement nach kurzer Zeit „verpufft“. Nur so können wir unsere Aktivitäten langfristig, nachhaltig und in Partnerschaft gestalten.
Daher unterstützen wir das Missionskrankenhaus Lui.
Auch beim Bau der Entbindungsklinik werden wir mit Afrikanern zusammenarbeiten. Wir „verpflanzen“ dafür nicht ein Fertigmodul aus Deutschland. Wir bauen mit Materialien aus Afrika. Die Arbeiten werden von Afrikanern ausge-führt. Die gesamte Wertschöpfungskette verbleibt in Afrika. Nur so wird die lokale Bevölkerung dieses Krankenhaus auch weiterhin als „ihr Krankenhaus“ akzeptieren.

Wie ist die politische Situation im Süd Sudan?
Der Sudan ist aufgeteilt in den islamischen Norden und den christlichen Süden. Gesamteinwohnerzahl ca. 40 Millio-nen. Gesamtfläche über 2.5 Quadratkilometer (größter Flächenstaat des afrikanischen Kontinents, etwa 7mal die Größe Deutschlands). Bevölkerungsdichte 14-16 Einwohner pro Quadratkilometer. Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt € 383 pro Jahr. Die Staatsverschuldung beträgt $ 57 Milliarden, oder 103% des BIP.
Seit 2005 regiert die Nationale Kongreßpartei (NCP) und die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) ge-meinsam in der Regierung der Nationalen Einheit. Diese Machtaufteilung wurde im Friedensabkommen 2005 ver-einbart. Im Mai 2010 fanden die ersten freien Wahlen statt.
Ziel der SPLM ist die Unabhängigkeit des Süd Sudan.
Für Januar 2011 ist das REFERENDUM geplant, was darüber entscheidet, ob sich der Süd-Sudan vom islamischen Norden abspaltet, und in die politische Unabhängigkeit entlassen wird.
Aber … im Süd-Sudan sind große Erdöl-Vorkommen identifiziert worden! Leicht wird der Norden den Süden nicht ziehen lassen. Oder aber sich die „Freiheit“ teuer bezahlen lassen.
Politische Beobachter bezweifeln allerdings, ob das Referendum tatsächlich im Januar 2011 wird stattfinden kön-nen.
Und selbst wenn der Süden die Unabhängigkeit erlangt, so fürchten viele, dass dann die rivalisierenden Stämme das entstandene Macht-Vakuum für sich zu nutzen wollen werden.

Was tut AMREF Deutschland für Lui?
AMREF Deutschland wirbt Spendengelder ein, und ist direkt in die Planungen und in das Projektmanagement einge-bunden – in Zusammenarbeit mit dem Landesbüro von AMREF im Süd Sudan und der AMREF-Zentrale in Nairobi.
AMREF Deutschland überwacht den Zahlungsverkehr, den Projektfortschritt und ermöglicht die Berichterstattung an Geldgeber und Förderer.
AMREF ermöglicht Transparenz gegenüber den Partnern.
AMREF erfüllt die Kriterien des DZI und trägt seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen das SPENDENSIEGEL.

Was können SIE tun?
Für die technische und gerätetechnische Ausstattung der Entbindungsklinik benötigen wir noch Geldspenden für den Erwerb der Geräte, ebenso für die Anschaffung eines Krankenwagens, um auf lebensbedrohliche Akutsituatio-nen reagieren zu können. Weiterhin müssen die Unterkünfte für die Hebammenschülerinnen und anderes Personal renoviert werden. Lehr- und Unterrichtsmaterial muss erworben und erhalten werden.
Helfen Sie mit Ihrer Spende, den Müttern und Kindern im Süd Sudan zu helfen.