Amref-Botschafterin in Berlin ausgezeichnet

Das Engagement gegen grausame, hunderte Jahre alte Traditionen erfordert Mut, Geduld und überzeugende Argumente. Nice Nailantei Leng’ete zeigt der Welt, wie es geht. Die junge Massai kämpft in Kenia erfolgreich gegen die Beschneidung von Mädchen und ist so eine der bekanntesten Aktivistinnen gegen FGM (Female Genital Mutilation) geworden. Für ihr Engagement erhält sie am 23.03.2018 den Annemarie-Madison-Preis 2018. Der nach der AIDS-Aktivistin Annemarie Madison benannte Preis wird an Personen und Organisationen vergeben, die mit viel Zivilcourage besondere Vorbildfunktion haben.

Nice Leng’ete ist eine junge Massai aus Kenia, die es geschafft hat, kulturelle Barrieren zu durchbrechen. Die heute 27-Jährige setzt sich in traditionell patriarchalen Strukturen für andere Mädchen ein. Entgegen aller Widerstände, fordert sie die Verhaltensmuster männlich dominierter Gemeinden heraus, um eine grausame Tradition zu beenden: die weibliche Genitalverstümmelung.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf am Fuße des Kilimanjaro verlor Nice Leng’ete früh ihre Eltern. Als Achtjährige musste sie selbst vor der Beschneidung weggelaufen, die das Ende ihrer Ausbildung bedeutet hätte. Es gelang ihr, sich den Rückhalt ihres Großvaters zu sichern. Sie durfte weiter zur Schule gehen. Dankbar für diese Chance begann ihr unermüdlicher Einsatz für andere Mädchen. Mit großem Engagement und der Unterstützung von Amref Health Africa begann Nice Leng’ete die Ältesten und die jungen Männer (Morans) über sexuelle und reproduktive Rechte und die Folgen der Beschneidung aufzuklären. Ihrem Durchhaltevermögen ist es zu verdanken, dass sie mit der Zeit eine Bewusstseinsveränderung anregen konnte und die sogenannten „Alternative Rites of Passage“ anstelle der Beschneidung akzeptiert wurden.

Seither setzt sie sich zusammen mit Amref Health Africa gegen die grausame Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung ein:

I personally have seen too many women and girls, too many friends, have their dreams taken away from them. Traditional harmful practices have impacted their lives, and they can never get those days back. And this needs to change. I’ll continue to fight until no Maasai girl has to undergo FGC. I will continue to demand that girls can grow into women without being circumcised. Every young girl in Kenya can become the woman of her dreams. I am, for sure.

Alternative Rites of Passage (die alternativen Initiationsrituale)

Amref Health Africa arbeitet mit Massai-Gemeinden an alternativen Riten, die eine würdevolle und von allen anerkannte Initiation der Mädchen ohne Beschneidung ermöglichen. Bei den sogenannte ›Alternative Rites of Passage‹ (ARP) handelt es sich um gemeindebasierte Praktiken, die traditionelle Elemente der Initiation  erhalten, aber auf die schmerzhafte, risikoreiche Beschneidung gänzlich verzichten.

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