Gemeinsam gegen Stigmatisierung

Vivian und Mussa sind beide Mitte dreißig und seit elf Jahren verheiratet. Gemeinsam haben sie auch die bisher schwierigste Zeit Ihrer Ehe überstanden. Aufgrund der verlängerten und komplizierten Geburt ihres jüngsten Kindes ist bei Vivian eine vesiko-vaginal Fistel, eine abnormale Verbindung der Harnblase und Vagina, entstanden. Die daraus entstehende Harninkontinenz führt bei vielen Frauen zur Ausgrenzung und Stigmatisierung. Ihre Familien verstoßen sie. Doch nicht so bei Vivian: ihr Mann Mussa stand zu ihr und mit der Hilfe von Amref Health Africa konnte Vivian geheilt werden. Vivians Geschichte ist genau deshalb eine besondere. Mit ihrem Mann und ihrer Selbsthilfegruppe hatte sie den Mut, sich in der Gemeinde öffentlich Hilfe zu suchen und hatte den Mut, die Hilfe von Amref Health Africa anzunehmen.

Vivian ist eine der 51 Frauen der Mwanza Region in Tansania, die durch die Hilfe von Amref Health Afrika heute ein gesundes Leben führen. Gemeinsam mit lokalen Partnern bieten wir die Operation der vesiko-vaginalen Fistel und eine begleitende psychosoziale Unterstützung an. Mit Trainings und einer Startfinanzierung unterstützen wir die Frauen bei ihrem beruflichen Neuanfang ebenfalls, . Dieser umfassende Ansatz ist besonders wichtig, da viele betroffene Frauen von ihren Partnern und/ oder Familien verlassen werden. Sie werden ohne finanziellen und emotionalen Halt zurückgelassen.

Menschen müssen wissen, dass diese Krankheit behandelt werden kann.

Aufgrund starker Stigmatisierung, suchen viele Frauen keinen Arzt auf und leben Jahre oder Jahrzehnte mit den Schmerzen und Folgen der Fistel. Mussa erklärt: „die Herausforderung entsteht aus dem ursprünglichen Problem heraus. Öffentlich wird nicht über die Entstehung und die Folgen gesprochen, da es als sehr privat und intim gilt. Gerade das ist jedoch essentiell, denn die Menschen müssen verstehen, dass die notwendige medizinische Versorgung verfügbar ist und die Krankheit heilbar ist.“

Die Herausforderungen sind enorm.

„Es war eine sehr schwierige Zeit für unsere Familie”, gibt Mussa zu. „Zu sehen, dass es meiner Frau schlecht geht, machte mich rat- und hilflos. Sie war ständig depressiv und hat geweint. Diese Zeit hat sogar unsere Gemeindearbeit beeinträchtigt: Vivian konnte nicht arbeiten gehen und auch ich musste einige Dinge vernachlässigen, um für sie da zu sein. Dadurch hatten wir weniger Geld zu Verfügung und mit fünf Kindern war das eine sehr schwierige Zeit. Gott sei Dank haben wir es überlebt und heute sind wir hier.“

Aufsehen erregen

Vivian und Mussa sind in der lokalen Gemeinde sehr involviert. „Mussa hat von Beginn an mit vielen Kirchenmitgliedern geredet und erzählt, wie es mir geht.“ Heute arbeiten Vivian und Mussa mit der Kirche zusammen, um möglichst viele Frauen zu erreichen, die möglicherweise unter Vesiko-vaginalen Fisteln leiden. „Jemand erzählte, dass er eine Frau mit ähnlichen Symptomen kenne. Ich stellte den Kontakt zu MAPERECE* her und sie besuchten die Frau. Es war keine Fistel, aber dennoch konnte die Frau mit allen nötigen Mitteln geheilt werden.“ Auch Mussa, der als Straßenprediger offen über die Krankheit spricht und über die Heilungsmethoden aufklärt, unterstützt Vivian, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen.“

* MAPERECE ist die Partnerorganisation von Amref Health Afrika.
Alle Bildrechte © Sam Vox für Amref Health Africa UK.