Reisebericht aus dem Südsudan

Kinder an einer von Amref Health Africa wieder aufgebauten Wasserstelle.

In kaum einem anderen Land Afrikas ist unsere Hilfe derzeit so wichtig wie im Südsudan. Mehr als sieben Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Durch Amref Deutschland werden aktuell vier umfangreiche Projekte in den Bereichen Wasser, Gesundheit und Nahrung umgesetzt. Wichtig ist hierbei eine kontinuierliche Projektbetreuung, die sicherstellt, dass die Mittel sachgemäß eingesetzt werden und die Projekte nachhaltig wirken. Im September konnten sich unser Geschäftsführender Vorstand Dr. Marcus Leonhardt und die Projektkoordinatorin Dörthe Müller persönlich von der Wirksamkeit zweier Projekte im Südsudan überzeugen.

Seit fünf Jahren herrscht Bürgerkrieg im Südsudan. Fünf Jahre Machtkämpfe und brutale Auseinandersetzungen. Dürrezeiten und Missernten. Epidemien und mangelnde gesundheitliche Versorgung. Da sehen viele Menschen als Ausweg nur die Flucht. Zwei Millionen Südsudanesen suchen im eigenen Land eine neue Heimat; weitere zwei Millionen sind bereits in andere Länder geflohen. Amref Health Africa ist vor Ort und ermöglicht nachhaltig Zugang zu Wasser, Nahrung und Gesundheitsversorgung.

Die Projektreise führte zunächst nach Torit. Hier ist das Wissen über die Bedeutung von Hygiene und Sanitäreinrichtungen für die Gesundheit kaum vorhanden. Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser verursacht werden, sind ein allgegenwärtiges Gesundheitsproblem. Deshalb führt Amref Health Africa hier Projektaktivitäten durch, welche die Krankheits- und Todesfälle, die durch verunreinigtes Wasser verursacht werden, reduzieren. Hierzu werden Wasserstellen rehabilitiert, Hygiene-Kits verteilt, Aufklärungsarbeit in den Gemeinden geleistet und die Bevölkerung in Hygienepraktiken trainiert. Ergänzend wird Gesundheitspersonal in der Diagnose und Behandlung von wasserbezogenen Krankheiten weitergebildet. Projektkoordinatorin Dörthe Müller berichtet vom Projekt in Torit:

Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Gesundheitssituation in den Gemeinden Schritt für Schritt kontinuierlich verbessert.

Und weiter: „Eine Mutter berichtete mir, dass ihre vier Kinder zuvor häufig unter Durchfallerkrankungen litten und dadurch oft den Unterricht verpasst haben. Sie selbst war lange durch eine schwere Typhuserkrankung geschwächt, eine Krankheit die häufig auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen ist. Seitdem unsere Gesundheitshelferinnen und -helfer, ausgebildet als ‚Safe Water Champions‘, sie regelmäßig besuchen und Hygienepraktiken vermitteln, sind die Kinder nicht mehr krank gewesen. Besonders freut mich auch zu hören, dass die teilnehmenden Familien das Wissen an Freunde und Verwandte weitertragen und somit selbst zu Multiplikatoren werden. Auch die lokalen Gemeindeverbände betonten wie wichtig unsere Arbeit sei, weil wir die Menschen einbeziehen statt ausschließlich auf Aufklärungskampagnen über das Radio zu setzen. Diese haben zwar eine große Reichweite, doch der direkte Kontakt mit den Menschen ist wichtig, um langfristig die Situation zu verbessern.“, erzählt Dörthe Müller.

In Wau, der zweiten Station der Reise, ist das oberste Projektziel die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung für Binnenflüchtlinge. So kann vermeidbaren Krankheiten vorgebeugt und die Mangel- und Unterernährung bekämpft sowie die Kinder- und Müttersterblichkeit in der Region gesenkt werden. Dr. Marcus Leonhardt berichtet:

In Wau konnten wir uns davon überzeugen, dass unsere Projektaktivitäten erfolgreich angelaufen sind.

„In dieser Region des Südsudans leben sehr viele Flüchtlinge aus anderen Landesteilen, die dringend Hilfe benötigen und es wurde deutlich, wie wichtig unsere Arbeit gerade hier ist. Beeindruckt hat uns auch das selbstlose Engagement unserer lokalen Kolleginnen und Kollegen, die unter schwierigsten Umständen eine medizinische Grundversorgung für die Zivilbevölkerung ermöglichen. Unglaublich hohe Temperaturen, große logistische Herausforderungen und ein unsicheres Umfeld. Hier verantwortungsbewusst, wirkungsorientiert und nachhaltig zu arbeiten, ist keine Selbstverständlichkeit. Und wir sind stolz, dass es doch gelingt und die Menschen Amref Health Africa als verlässlichem Partner vertrauen können.“