Fluchtursachen in Afrika bekämpfen

Wenn Menschen auf schwierigsten Wegen und mit unsicheren Transportmitteln nach Europa kommen, dann tun sie das nicht, weil sie Lust auf ein Abenteuer haben. Krieg, Hunger und Perspektivenlosigkeit treiben sie auf eine waghalsige, gefährliche Reise  – auch in Richtung Europa. Amref Health Africa kann keine Kriege verhindern, leider. Aber wir können Perspektiven schaffen und so Fluchtursachen bekämpfen.

Flüchtlingsboote, Willkommenskultur, Abschiebequoten – Die Debatten rund um das Thema Flucht bestimmen wie kein anders Thema öffentliche Diskussionen und persönliche Gespräche. Nach einer anfänglichen Welle des Mitgefühls, machten sich bei manchen Menschen rasch Ernüchterung, Gleichgültigkeit und immer häufiger auch Ablehnung breit. Doch die Missstände in den Herkunftsländern, die die Menschen zur Flucht bewegt haben, bleiben. Diesen sogenannten Fluchtursachen lässt sich nicht mit einfachen Lösungen begegnen.

Die Frage der Relevanz stellt sich angesichts der aktuellen Zahlen nicht. Zwar ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland auf knapp 223.000 Anträge in 2017 gesunken. Doch kann dies nicht über die weltweite Situation hinwegtäuschen: Laut des UN-Flüchtlingswerks sind weltweit 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht – und nirgends sind es so viele wie in Afrika. Sie fliehen innerhalb des eigenen Landes in weniger umkämpfte Regionen oder die afrikanischen Nachbarstaaten gewähren ihnen großzügig Schutz.

Allein das kleine Uganda nahm 2016 mehr als eine Millionen südsudanesische Flüchtlinge auf. Aber mit weltweit steigenden Flüchtlingszahlen, stoßen auch diese Länder an ihre Grenzen. Deshalb ist es besonders wichtig, vor Ort die Strukturen zu stärken, damit Menschen nicht unter Lebensgefahr weiter in Richtung Europa fliehen müssen.

Was also tun? Auch wir können keine Kriege beenden, aber wir können unser Wissen und unsere Erfahrung dazu nutzen strukturelle Voraussetzungen zu schaffen, die den Menschen ein Leben in ihrer Heimat ermöglicht. In unserem Fall ist dies die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Afrika. Dazu zählen die Stärkung der Gesundheitsstrukturen, Aus- und Weiterbildung in den ländlichen Regionen sowie Aufklärung und Prävention.

Amref Health Africa setzt sich als afrikanische Organisation seit über 60 Jahren dafür ein, dass Menschen in ihrer Heimat die strukturellen Voraussetzungen finden, etwas aus ihrem Leben machen zu können. Aus Afrika, für Afrika. Und das Beste, es funktioniert. Das sehen wir jeden Tag, wenn wir von unseren KollegInnen in Afrika die vielen Erfolgsgeschichten hören. Zum Beispiel von jungen Frauen, die dank des eLearnings von Amref Health Africa die Möglichkeit erhalten, sich weiterzubilden ohne dafür ihre Heimat verlassen zu müssen.

Doch oft ist es schwierig, hierfür auch die nötige Öffentlichkeit zu finden. Wo die Symptome des Elends deutlich sichtbar sind, wo emotionale Themen wie Hunger oder akute Lebensgefahr dominieren, da ist Aufmerksamkeit schnell erzeugt. Aber wo die strukturellen Ursachen angegangen werden, bleibt dies schwierig.

Deshalb wollen wir Ihnen die ungehörten Geschichten unserer ganz persönlichen Heldinnen erzählen. Frauen, deren Lebensbedingungen verbessert wurden und die wieder Mut für eine sichere Zukunft in ihrer Heimat haben – dort wo alle Menschen auf der Flucht am liebsten wären, wenn es die Umstände erlauben würden.

Antonera Lepesha – Ermöglicht Gesundheitsversorgung

Antonera Lepesha ist Gemeindegesundheitshelferin in Samburu County, Kenia. Seit ihrer Ausbildung durch Amref Health Africa ist sie in ihrer Gemeinde erste Ansprechpartnerin in Gesundheitsfragen. Ihre Aufgaben umfassen die Betreuung von Patienten, die Überweisung von Patienten an Krankenhäuser und die Organisation von Patiententransporten. Besonders freut sie sich, dass die Frauen immer mehr Vertrauen in die Gesundheitsversorgung gewinnen: “

Phyllis Kyallo – Unabhängig durch eigenes Einkommen

Phyllis Kamene Kyallo,Handwerkerin_klein»Ich gehöre zu einer Gruppe von 10 Handwerkerinnen. Amref Health Africa hat uns im Brunnenbau ausgebildet. Anfangs wurden wir ausgelacht, weil wir Männerarbeit machten. Aber heute werden wir für unsere Arbeit bewundert. Jeder sieht die Vorteile: Fast alle Nachbarn haben Latrinen und unsere Kinder keine Durchfallerkrankungen mehr. Sie können zur Schule gehen, weil sie ihren Müttern nicht mehr bei der Suche nach Wasser helfen müssen. Ich habe in der Ausbildung auch gelernt wie wichtig Hygiene und sauberes Wasser für die Gesundheit ist. Dieses Wissen gebe ich jetzt weiter. Ich bin gesund, meine Kinder gehen zur Schule und durch mein eigenes Einkommen bin ich unabhängig, das macht mich glücklich.«

Dr Koki Muli – Ich lebe meinen Traum

10384352_1607432752821850_272571080016148193_n„Ich bin Ärztin, arbeite für Amref Health Africa und koordiniere ein 50 Mio USD Programm im Norden Kenias. Das alles ist mir möglich, weil meine Familie mir die Möglichkeit gab, eine Schule zu besuchen, zu studieren und so meine Träume zu verwirklichen. Mein Mann und meine Kinder unterstützen mich und mein Arbeitgeber hat meine Potentiale erkannt. So stehe ich heute hier und lebe meinen Traum:  Ich lebe in meiner Heimat, mit meiner Familie, und ich kann den Menschen helfen, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie ich.“