Zum Weltmädchentag: weibliche Genitalverstümmelung stoppen!

Durch ein Stipendium konnte diesen Mädchen bereits geholfen werden.

In Samburu Country in Kenia leiden 90% aller Mädchen unter Genitalverstümmelung. 38% aller Mädchen werden verheiratet bevor sie 18 Jahre sind. Im Samburu-Stamm ist beides Tradition – weibliche Genitalverstümmelung sowie Kinderehe.

Beide Praktiken sind miteinander verknüpft. Sobald ein Mädchen beschnitten wurde (meist im Alter von 8-15 Jahre), gilt sie als bereit zum Heiraten. Sehr oft werden die Mädchen mit viel älteren Männern verheiratet. Sobald sie verheiratet sind, wird von ihnen verlangt, die Schule zu verlassen. Dies spiegelt sich auch in den niedrigen Einschreibungsraten von Mädchen in der Sekundarschule in Samburu Country wider.

Mit dem Projekt „Koota Injena“ („Komm, lass uns reden“  in der Borana-Sprache) engagiert sich Amref Health Africa in Gemeinden in Samburu Country. Vertreter*innen von Amref sprechen mit Mitgliedern der Gemeinden, um gemeinsam Genitalverstümmelung sowie Kinderehe zu beenden. Wir bilden Experten aus, welche ihren Altersgenossen, Familienmitgliedern und Freunden helfen, die Behandlung von Mädchen zu überdenken. Ihnen wird deutlich gemacht, warum es wichtig ist, dass die jungen Mädchen ihre Ausbildung abschließen. Außerdem wird bei „Koota Injena“ mit den Stammesältesten zusammen gearbeitet, da diese eine Entscheidung für die ganze Gemeinde treffen können.

Dieser Ansatz funktioniert. In nur einem Jahr haben wir 99 Stammesführer erreicht, welche ihre Meinung zur Genitalverstümmelung und zur Kinderheirat geändert haben.

Stipendien schützen Mädchen vor Beschneidung

Damit die Mädchen auch in Zukunft beschützt werden, haben wir von Amref ein Stipendien-Programm entwickelt welches es den von Beschneidung und Kinderehe bedrohten Mädchen ermöglicht zur Sekundarschule zu gehen. Dort werden sie zu Botschafterinnen gegen Genitalverstümmelung und gegen Kinderehe ausgebildet.
Studien zeigen, dass insbesondere Mädchen, welche nicht zur Schule gehen, dem schlimmen Verfahren unterliegen. Sekundarschulen sind in Kenia nicht verpflichtend und verlangen zudem oft Schulgebühren, welche sich viele Familien nicht leisten können. Oft haben viele Mädchen gar keine Wahl, ob sie zur Schule gehen oder nicht. Die meisten Mädchen, welche unser Stipendium erhalten, kommen aus Familien, die sich den Besuch der Sekundarschule nicht leisten können.

Dank unserer Spender*innen konnten wir Mädchen wie der 15-jährigen Saloni helfen.
„Ich denke, dass alle Mädchen zu Schule gehen sollten“, sagt sie. Saloni ist das dritte Kind einer Familie mit sechs Kindern. Die Mutter arbeitet als Haushaltshilfe für eine wohlhabende Familie und kommt allein für sich und ihre Kinder auf. „Obwohl ich immer zur Schule gehen wollte, hatte meine Mutter viel zu kämpfen, um mich auf die Sekundarschule schicken zu können.“

Jetzt ist Saloni an der Wamba Girls Secondary School eingeschrieben. Von Amref erhielt sie ein „dignity kit“ – eine Tasche mit wichtigen Dingen wie Damenbinden, Handtüchern, Seife und Bettwäsche. Dank des Stipendiums erhält Saloni eine Ausbildung in reproduktiver Gesundheit. Darüber hinaus nimmt sie an einem Training teil, in dem sie lernt, wie sie ihre Familie davon überzeugen kann, die Praxis der Genitalverstümmelung  aufzugeben.

Ich bin glücklich hier in der Schule zu sein. Mein Lieblingsfach ist Biologie. Eines Tages möchte ich an die Universität gehen und Ärztin werden.

„Ich ermutige alle Mädchen in meiner Gemeinde die Schule zu beenden, und Beschneidung sowie Kinderehe nicht zu akzeptieren. Ich möchte den Älteren, welche diese nach wie vor praktizieren, sagen, dass sie damit aufhören sollen. Es ist nicht gut für die Mädchen. Durch Amref Health Africa habe ich viel über weiblicheGenitalverstümmelung gelernt und wir haben in Videos  gesehen, was mit den Mädchen passiert, die beschnitten werden.“